22.08.2019

Im April 2019 fielen mir an Buchsbäumen auf einem verwahrlosten Grab auf dem Hauptfriedhof unterschiedlich große Buchsbaumzünslerraupen auf, die offensichtlich in verschiedenen Stadien überwintert hatten. Im Gespräch mit mehreren Personen wurde mir bestätigt, dass auch sie ähnliche Beobachtungen gemacht hatten. In letzter Zeit befanden sich sogar während des Schmetterlingsfluges Raupen in verschiedenen Stadien der Entwicklung und auch Puppen am Strauch.

Meine Theorie ist nun, dass sich mit jeder Generation die Flugzeit um etwa eine Woche verlängert, da es bei jeder Generation Raupen gibt, die aus Eiern aus dem Gelege des ersten Tages geschlüpft sind, und das über Generationen (sozusagen die Erstgeborenen von Erstgeborenen von Erstgeborenen…) und Raupen, die über Generationen hinweg von Raupen abstammen, die aus Eiern des Geleges des letzten Tages geschlüpft sind (sozusagen die Letztgeborenen von Letztgeborenen von Letztgeborenen…). Somit ergibt sich das Bild einer Gaußschen Glockenkurve mit einem schwachen Anfang und Ende und einem breiten Mittelfeld. Was ich letztes Jahr für die vierte Generation hielt, könnte somit auch die Nachhut der dritten Generation gewesen sein, und daraus würde sich auch die Beobachtung der verschieden großen Raupen im Frühjahr erklären.

Da die Schmetterlinge in diesem Sommer nicht in deutlichen Wellen auftreten, würde ich nun dafür plädieren, dass man ungefähr in der Halbzeit des Schmetterlingsfluges einmal spritzt und einige Tage nach Beendigung desselben noch einmal. Beobachten Sie also an mehreren Abenden, ob Sie noch Falter fliegen sehen (z.B. Terrassenlicht einschalten, Pheromonfalle kontrollieren etc.) und spritzen Sie dann. In Gegenden von Landshut (wie in meinem Umfeld), wo der Falter konsequent bekämpft wird, kann es sein, dass sich in der Pheromonfalle kaum Männchen befinden. In diesem Fall ist die Falle keine sichere Diagnosemethode mehr, und man muss sich mehr auf die Beobachtung der Schmetterlinge verlegen. Es gibt aber noch genügend Gegenden, wo der Zünsler nicht von allen Buchsbaumbesitzern bekämpft wird, und man in einer Nacht oft 15 Stück fängt, dort ist die Falle als alleinige Diagnosemöglichkeit ausreichend.

Beachten Sie bei der Bekämpfung die Wettervorhersage (zwei Tage kein Regen) und kontrollieren Sie Ihre Buchsbäume wöchentlich auf Fraßspuren (Spinnweben mit Raupenkot). Gehen Sie nicht davon aus, dass der Buchsbaumzünsler gerade Ihren Buchs verschmäht, nur weil Sie noch keine Schäden am Buchs sehen. Warum sollte er das tun? Die Schäden sehen Sie erst viele Wochen später!