Als sich der Buchsbaumzünsler im Sommer 2018 nun auch im Raum Landshut explosionsartig verbreitete und große Schäden an den hiesigen Buchsbäumen anrichtete, stellte ich in vielen Gesprächen mit Gartenbesitzern fest, dass in puncto Bekämpfung dieses Schmetterlings große Unsicherheit herrschte. Die Meinungen zu dem Thema lagen zum Teil extrem weit auseinander.

Während die einen den totalen Vernichtungskrieg gegen den Zünsler führen wollten und jede Woche dagegen anspritzten, kapitulierten die anderen gleich völlig vor dem Eindringling und rissen noch durchaus zu rettende Pflanzen radikal aus. Da beides keine Lösung des Problems sein kann, habe ich mich entschlossen, ab Frühjahr 2019 auf meiner Webseite und über die Landshuter Zeitung den günstigsten Zeitpunkt für eine Bekämpfung bekannt zu geben. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass dies nur für die Stadt Landshut und die nähere Umgebung gelten kann, da der Buchsbaumzünsler in anderen Gebieten Deutschlands, klimatisch bedingt, andere Vermehrungszeiten haben kann.

Buchsbaumzünsler am Landshuter Hauptfriedhof
Buchsbaumzünsler am Landshuter Hauptfriedhof, aufgenommen am 22.04.2019

Gleich zu Beginn möchte ich mit einigen Legenden aufräumen:

  1. Eine Pheromonfalle dient nicht zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, sondern der Feststellung der Befallsdichte und des Befallszeitpunktes. Dieser ist wichtig für die Wahl des Zeitpunkts der Bekämpfung. Die Pheromonfalle kann allenfalls die Anzahl der fortpflanzungsfähigen Männchen reduzieren, wird aber nicht alle wegfangen können. Sie kann auch nicht ausschließen, dass befruchtete Weibchen zufliegen und trotzdem Eier auf Ihrem Buchs ablegen, oder die restlichen Männchen, die nicht in die Falle gehen, Weibchen befruchten können. Sie müssen den Zünsler also immer noch bekämpfen.
  2. Algenkalk kann auch nur zu einer Befallsminderung beitragen, mehr aber nicht. Um die Eiablage auf den Blättern zu verhindern, müssten die Blattunterseiten genauso wie die Blattoberseiten, das Innere des Busches wie die Außenseite bestäubt werden, und zwar kurz vor der Eiablage. Gerade bei großen, alten Büschen dürfte dies schwierig werden, und regnen dürfte es in dieser Zeit auch nicht, sonst muss die Behandlung wiederholt werden. Durch ständiges Kalken verändert man auch den pH-Wert des Bodens, was langfristig, auch wenn der Buchs eigentlich kalkliebend ist, nicht so günstig ist. Weniger kalkliebende Pflanzen in der Nachbarschaft könnten darunter leiden. Ihr Geldbeutel tut es auf jeden Fall.
  3. Die Methode, den Schädling mit einem scharfen Wasserstrahl aus dem Buchs zu entfernen, scheitert meist an der Größe der einzelnen Pflanze und des gesamten Bestandes und ist allenfalls für kleinere Exemplare im Topf geeignet.
  4. Die Möglichkeit, Buchs durch ähnlich aussehende Pflanzen anderer Gattungen zu ersetzen, scheint auf den ersten Blick ganz charmant zu sein. Doch ich gebe zu Bedenken, dass Buchs, speziell hier in Landshut, noch einen anderen Zweck als nur den der Zierde erfüllt. Außerdem befällt der Buchsbaumzünsler in seiner ostasiatischen Heimat auch andere Gehölze (Ilex- und Euonymusarten), die bei uns als Ersatzpflanzen gelten. Es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis er auch bei uns sein Nahrungsspektrum erweitert.

Es bleibt selbstverständlich Ihnen überlassen, ob Sie sich für eine chemische oder biologische Bekämpfung des Schädlings entscheiden. Ich habe letztes Jahr sehr gute Ergebnisse erzielt mit einem Bacillus thuringiensis-Präparat (Xentari). Die Wirksamkeit steht einem chemischen Spritzmittel in nichts nach. Ich kann Sie also, auch im Hinblick auf den Naturschutz, nur dazu ermutigen, es auch mit der biologischen Bekämpfung zu versuchen. Egal, für welche Methode Sie sich entscheiden, es ist von größter Wichtigkeit, dass die Bekämpfung flächendeckend und zum richtigen Zeitpunkt stattfindet!

An dieser Stelle einiges zum Lebenszyklus des Buchsbaumzünslers:

Der Buchsbaumzünsler kann nicht nur als Puppe, sondern auch als Raupe überwintern. Er spinnt sich dazu in einem frühen Larvenstadium zu mehreren Exemplaren in eine Art Kokon ein, und wird nach der Winterruhe im Frühjahr bei Temperaturen konstant über 7°C wieder aktiv. Dies ist meist im März der Fall. Dieser erste Befall der Pflanzen wird meist übersehen, da vorher kein Falterflug stattfindet, und ihre Pheromonfalle, falls vorhanden, keine Falter enthält. Man wiegt sich also in falscher Sicherheit! Im heißen Jahr 2018 fand um den 20. Oktober noch einmal ein Falterflug statt. Diese vierte Generation hat also überwintert, und falls sie Ende Oktober nicht noch einmal gespritzt haben, wird es im März Zeit für die erste Bekämpfung. Falls Sie eine Pheromonfalle besitzen, sollten Sie diese Anfang März mit neuen Pheromonen bestücken (im August dann noch einmal mit frischen Pheromonen versehen).

Die erste Bekämpfung muss stattfinden, wenn die Temperaturen tagsüber und nachts über 7°C liegen! Dies ist meist Anfang März der Fall. Bitte den Wetterbericht beachten, es sollte zwei Tage nicht regnen!

Die Entwicklung der Raupen hängt von der Temperatur ihrer Umgebung ab. Im Frühjahr entwickeln sie sich langsamer als im Sommer. Sie kann ca. drei bis zehn Wochen dauern. Dann verpuppen sich die Raupen, und nach ca. einer Woche schlüpfen die Schmetterlinge aus. Anschließend kann man acht bis neun Tage lang die Schmetterlinge im Garten fliegen sehen. Sie befinden sich jedoch nicht auf dem Buchs, sondern suchen Blütenpflanzen auf, um Nektar zu saugen, und halten sich dort auch tagsüber auf. In dieser Zeit wird in den Pheromonfallen ein Teil der Männchen weggefangen (leider nicht alle), und man kann dadurch den günstigsten Zeitpunkt der Bekämpfung berechnen. Während dieser Zeit legen die Weibchen fleißig Eier. Nach drei Tagen schlüpfen aus den Eiern die kleinen Räupchen. Wenn man nun die Lebenszeit des Schmetterlings von acht bis neun Tagen und die drei Tage Eistadium zusammenzählt, kommt man auf 12 Tage. Nach ca. 12 Tagen sind die letzten Räupchen geschlüpft und fangen an zu fressen. Hier setzt man jetzt am günstigsten bei der Bekämpfung an. Je eher die Bekämpfung stattfindet, desto geringer ist der Fraßschaden. Bei einer zu frühen Bekämpfung, etwa schon zu Beginn des Falterflugs, läuft man Gefahr, dass das Mittel evtl. durch einen Regenschauer abgewaschen wird, und die Bekämpfung erneut durchgeführt werden muss, was unnötig Zeit und Geld kostet.

Ab dem 12. Tag nach Auftreten des ersten Falterflugs ist eine Bekämpfung sinnvoll. Es sollte nach der Spritzung ca. zwei Tage lang nicht regnen, damit gewährleistet ist, dass die Raupen genügend Bacillus thuringiensis-Sporen aufnehmen. Ober- und Unterseite der Blätter müssen gut benetzt werden. Falls der Bekämpfungszeitraum in eine Regenperiode fallen sollte - nicht nervös werden, so viel fressen die Raupen am Anfang auch noch nicht. Wenn der Regen aufhört, ist noch genügend Zeit!

Sollte sich der Falterflug - wie im August 2019 - länger als acht bis neun Tage hinziehen, ist eine zweite Spritzung vier Tage nach Ende des Falterflugs nötig.

Sie müssen keine Angst haben, mit der biologischen Schädlingsbekämpfung nützlichen Insekten zu schaden. Kein einheimischer Schmetterling legt seine Eier auf dem Buchs ab. Und so lange Sie nur den Buchs spritzen und nicht etwa die Brennnesseln, die evtl. daneben stehen, ist alles gut.

Zu guter Letzt noch ein paar Tipps von mir:

Kaufen Sie sich eine gute Rückenspritze, die ihrem Buchsbaumbestand angepasst ist. Aus eigener Erfahrung: Es macht einfach mehr Spaß und spart enorm Zeit, mit einem guten Gerät, das den nötigen Druck bringt, zu arbeiten. Um die evtl. etwas höheren Anschaffungskosten für eine gute Spritze im Rahmen zu halten, könnten Sie sich mit Ihren Nachbarn zusammentun.

Sollten Sie nicht in Landshut wohnen, könnte es sein, dass in Ihrem Heimatort der Buchsbaumzünsler zu anderen Zeiten aktiv wird als auf unserer Webseite angegeben. Es genügt, wenn einer im Ort eine Pheromonfalle besitzt und seine Mitbürger über den günstigsten Bekämpfungszeitpunkt informiert. Vernetzen Sie sich!

Ihre Elisabeth Wachtler-Erber

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